Anorexie Anorexie: Definition
Die Anorexie
tritt häufig bei Mädchen/Frauen zwischen dem 13. und 25. Lebensjahr auf. Die
von der Anorexie Betroffenen leiden unter der massiven Angst, dick zu werden und
unternehmen einiges, um einen Gewichtsverlust herbeizuführen. Durch
Nahrungsverweigerung, manchmal Einnahme von Abführmittel oder Appetitzüglern,
kommt es zu einem massiven Untergewicht (15 bis 50 % unter dem für die Größe
und Alter normalen Gewicht). Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist gestört,
die an Anorexie erkrankten Frauen erleben sich nach wie vor zu dick, fettsüchtig
und verleugnen unbewusst die Schwere der Erkrankung. Durch diese Form der Essstörung
kommt es zu einem chronischen Nahrungsmittelmangel, der zum Gewichtsverlust und
Untergewicht führt, es stellen sich Hormonstörungen, Haarausfall und trockene
Haut ein, auch die Periode bleibt aus. Die an Anorexie erkrankten Mädchen/Frauen
sind trotz des Untergewichts in intellektueller und körperlicher Hinsicht
hyperaktiv und erbringen erstaunliche Leistungen. Magersüchtige Mädchen/Frauen
lehnen ihre eigenen körperlichen und gefühlsmäßigen Bedürfnisse ab. Sie
leben sozusagen in ihrer eigenen Welt und vermeiden soziale Kontakte. Anorexie: Auslösende Faktoren
Die Anorexie
tritt gehäuft in einer sehr sensiblen Phase, der Pubertät, auf. Die von der
Anorexie Betroffenen werden mit körperlichen Veränderungen aber auch sozialen
Anforderungen konfrontiert, von denen sie sich verunsichert und überfordert fühlen
und unterschwellig das Gefühl haben in einer gewissen Abhängigkeit zu leben.
Das Mädchen wird zur Frau, Veränderungen wie Wechsel in eine weiterführende
Schule, Ausbildungsplatz, Studium etc. zeichnen sich ab. In dieser Situation fühlen
sich die Mädchen/junge Frauen, die an Anorexie leiden, sehr selbstunsicher,
haben Selbstunwertgefühle, Selbstzweifel und entwickeln erhebliche Ängste vor
den Veränderungen in der Zukunft. Das Untergewicht vermittelt unbewusst das Gefühl,
Kontrolle über das Körpergewicht zu haben und somit ein gewisses Gefühl von
Sicherheit und Un-Abhängigkeit. Bereits vordergründig unwichtige Ereignisse
(Bemerkung über rundliche Körperformen, erster körperlicher Kontakt mit dem
anderen Geschlecht, Auszug der älteren Geschwister) können zum Ausbruch oder
Verstärkung Anorexie führen. Anorexie: Generelle Therapiemöglichkeiten
Bei
Patientinnen mit einer Gewichtsreduktion im tolerablen Bereich, insbesondere bei
noch nicht chronifizierter Anorexie hat es sich bewährt, die Behandlung mit
psychotherapeutischen Maßnahmen zu beginnen. Hierbei handelt es sich häufig um
modifizierte psychoanalytisch orientierte Therapien. Von vielen Autoren wird
auch die Verhaltenstherapie favorisiert. Die Kombination beider Verfahren
erscheint uns bei dem Krankheitsbild der Anorexie am sinnvollsten. Bei
kachektischen (ausgezehrten) Patientinnen führt kein Weg daran vorbei, das Körpergewicht
vor jeder Form der Psychotherapie wieder einigermaßen herzustellen. In einem
sehr untergewichtigen Zustand kann niemand von konfliktzentrierten Gesprächen
profitieren.
Bei
Patientinnen mit einer bereits chronifizierten Anorexie und längerdauernden
Kachexie wird die Behandlung nach dem Muster einer Suchtbehandlung aufgebaut.
Dies bedeutet, dass eine entschlossene, klar strukturierte und konsequente
therapeutische Einstellung unumgänglich ist. Anorexie:
Therapieprogramm in der
Hardtwaldklinik II Einzelpsychotherapie
In der
Anfangsphase der Behandlung der Anorexie geht es darum, dass zwischen der
Patientin/dem Patient und der Bezugstherapeutin/-therapeuten eine tragfähige
therapeutische Beziehung entstehen soll. Das Therapieprogramm wird auf die
vorliegende Art und den Schweregrad der Anorexie abgestimmt und festgelegt, das
bedeutet, dass begleitende Maßnahmen wie sportliche Aktivitäten, physikalische
Maßnahmen und Erstellung von Essprotokollen und ggf. ein Angehörigengespräch
vereinbart wird. Im Verlauf werden die psychodynamischen Aspekte der Anorexie,
z. B. Konstellationen in der Herkunftsfamilie, Problematik der Abhängigkeit
etc. beleuchtet. In der Regel gibt es ein bis zwei Einzelgespräche à 30
Minuten pro Woche. Die Frequenz variiert in Abhängigkeit vom Grad der
bestehenden Anorexie, aber auch vom Therapieziel der Patientinnen/Patienten. Gruppenpsychotherapie
Die
Gruppenpsychotherapie ist Hauptbestandteil der Behandlung der Anorexie. Hierbei
handelt es sich um interaktionelles Setting mit zwei Sitzungen pro Woche à 90
Minuten. Interaktionell bedeutet, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der
Gruppe intensiv in Kontakt kommen, Erfahrungen austauschen, über ihr aktuelles
Befinden berichten und sich gegenseitig Rückmeldungen geben. Es handelt sich nicht
um spezielle Indikationsgruppen die nur auf essgestörte Patienten ausgerichtet
sind. Kreativtherapie
Die
Kreativtherapie findet ebenfalls im Gruppensetting statt, wobei wir
Musiktherapie oder eine Körperwahrnehmungsgruppe anbieten können. In diesem
Rahmen könnten die Patientinnen/Patienten die an Anorexie leiden lernen, ihre
Gefühle besser zu spüren und ihren Körper wahrzunehmen und sich in
Beziehungen zu anderen zu erleben. Anorexie: Essverhaltenstraining/Ernährungsberatungsgruppe
In diesem
Gruppensetting haben die Patientinnen/Patienten mit Unterstützung einer
erfahrenen Ernährungsberaterin die Möglichkeit, ihr Essverhalten zu
beleuchten, über und Anorexie zu sprechen und ein neues Essverhalten einzuüben.
Abgesehen davon werden die Betroffenen über physiologische Folgen sowie über
ein gesundes Essverhalten informiert. Es gibt auch die Möglichkeit Mahlzeiten
gemeinsam zu planen und zuzubereiten. Sportliche Aktivitäten/physikalische Maßnahmen
Diese werden
individuell mit der Bezugstherapeutin/-therapeuten besprochen und vereinbart. Freizeitbereich Hier besteht die Möglichkeit an alternativen Angeboten wie Terrainwandern, informativen Vorträgen durch unsere Psychologen, Musikwerkstatt und Gestaltungstherapie teilzunehmen. Mit den besten Wünschen
K. Koloczek
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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